Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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eigentliche Höhepunkt des knappen Spiels, das aber sogleich wieder darüber hinweggeht, denn die Antwort der Frau ist: die geschaffenen Gestalten wissen schon nichts mehr von ihrem Schöpfer. Sie wenden nicht den Kopf, wenn du sie rufst... War nicht i n dir genug des reinen Glücks, da du sie schufst?!... Sonst bargst du stolz dich hinter deinem Werk — was zieht Dich heut hierher? Und der Prolog sagt — leise, obwohl das nicht angegeben ist, aber wir, die Hörer, die Leser hören ja nun ein wie nicht für uns bestimmtes Zwiegespräch mit an —: so wie auf alten Heiligenbildern unter den Anbetenden sich der Meister selbst auf Knien mit anbetend dargestellt, so „sind wir beide hier“. Gewiß, es ist ein Zwiegespräch, „ziemt uns noch hier zu stehn?“ fragt die Frau und wendet sich, und nun erst vielstimmig, hart, grob, zornig, durcheinander bricht der Tumult der Empörung gegen den Dichter aus der Menge los, gegen seinen Hochmut, seine Gewitztheit, seinen Stolz, aber gefaßt nun, ernst und ruhig, nimmt der Prolog das letzte Wort, die Apotheose des Dichtertums wird Wort, Dichtersein ist — und in dieser Prägung finden wir die Humanität, das tiefsteigentliche Wesen des Gesamtwerkes und der Gesamterscheinung Beer- Hofmanns wieder —: Menschentum in Gottes Sturm, und bevor er ganz hinübergleitet ins Gespräch mit David, seiner Figur, der großen Figur 254