Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Ein jüdischer Buchmaler des 15. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 2)
- Language
- German
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starren Bindungen festgelegt. Zum zweiten verlangt es die herrschende Meinung vielfach vom Künstler, daß er seine Person im Dienst am Werk vollkommen ausschaltet, weil das Werk Sakralwert besitzt. Der Kunstforscher Leopold Delisle machte geltend, daß die Würdigung der Leistung des Buchmalers in Frage gestellt wurde durch die überragende Stellung des Schreibers, dem es oblag, die Explicitformel, die Schlußworte des Kodex, zu verfassen. In der Hand des Schreibers, der über Zeit und Ort der Entstehung des Werkes, über Dauer und Gang der Arbeit, insbesondere über den Anteil der Mitarbeiter zu berichten hatte, lag es, die Minierarbeit zu erwähnen, den Namen des Malers zu vermerken oder zu verschweigen. Nur zu oft war der Schreiber, im Vollgefühl seiner höher bewerteten Leistung geneigt, dem Beitrag des Illustrators und des Ornamentzeichners weniger Gewicht beizumessen. Ob die Beziehungen zwischen Schreiber und Miniator sich in den jüdischen Schreibstuben ähn< lieh gestalten mochten, wissen wir nicht. Es darf wohl angenommen werden, daß hier noch häufiger als bei den Nichtjuden der Schreiber die Minierarbeit selber ausführte, und der Berufsmaler erst spät aufzutreten beginnt. Der Bezeichnung „sofer“ (Schreiber), mit der sich der Kalligraph tituliert, wird nirgends eine Bezeichnung für den Maler gegenübergestellt, jedoch berichtet der Sofer häufig von selbst ausgeführten Malereien. Nathan ben 85