Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zum Geleit
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Berlin, der, was Graetz geschaffen, in weiteste Kreise tragen und verpflanzen sollte. Sein Ruf war „ein Wort zu seiner Zeit“, zahlreiche, geistig interessierte Mitglieder schlossen sich dem Verein an, an vielen Orten fand er bereitwillige Nachfolge. In edlem Eifer zogen Gustav Karpeles, Albert Katz und andere Redner durch die jüdischen Gemeinden und feuerten überall zur Gründung gleicher Vereine an. Die alte jüdische Tradition des Lehrhauses wollten sie wieder auf leben lassen; wie früher ein Beth Hamidrasch so sollten jetzt die Gemeinden, den neuen Formen der Gesellschaft entsprechend, eine Vereinstribüne besitzen, von der aus jüdische Geschichte und Literatur gelehrt, die ewigen Wahrheiten des Judentums verkündet würden. Ihre Mahnung wurde gehört, die geistige Regsamkeit in den jüdischen Gemeinden lebte wieder auf, nach kurzer Zeit kam es dahin, daß im Laufe eines Winters unter starker Anteilnahme etwa 1000 Vorträge über jüdische Themen gehalten wurden — ein Novum, ein wirkungsvoller Faktor im Geistesleben der Juden in Deutschland. Das gesprochene Wort sollte durch das gedruckte ergänzt, das gehörte durch das gelesene vertieft, das Beste aus dem Jahresprogramm durch das Jahrbuch festgehalten werden. Gustav Karpeles setzte sein ganzes schriftstellerisches Können an die Aufgabe, das Jahrbuch zu einer repräsentativen 6