Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das Licht verlöscht
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3111067-3111124-3118692--7394-3118925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
durch die nahe Weihnacht ihre größeren Käufe, denn in jedem Laden mußte sie durch Bestellung* den Besuch erklären; und während die Ladnerin eifrig aufschrieb, suchten die Augen der Frauen gierig in den feilgebotenen Haushaltgeräten nach einem Etwas, das sie nicht in Worte zu fassenvermochten. Im letzten Laden endlich fiel das erlösende Stichwort: „Haben Sie, Frau Bernklau, schon Chläusli (von Klaus, Nicolaus}, Goldschmuck. und Lichtli für den Christbaum bestellt?“ Sie besahen neugierig die Kerzen. Berta schaute fragend zu Sofie empor, und diese nickte und flüsterte: „Drei Dutzend kleinere und ein größeres“, denn Berta wollte in aller Heimlichkeit alltäglich die Lichter entzünden. Als sie wieder die Straße entlangschritten, seufzte sie tief auf: „Ein Symbol meines Lebens, Chanukkalichter vom Christbaum.“ Sofie antwortete schlagfertig: „Wissen wir, ob die Folge nicht umgekehrt war und die Christbaumlichter aus der Menorah aufgestiegen sind?“ Nachdenklich zogen die Frauen heimwärts, wo» sie von den beiden Kindern empfangen wurden, die durchaus neugierig waren, die Einkäufe zu besehen. Endlich platzte das Meitschili heraus:: „Hast uns kei Betthüpferli gebracht?“ Wahrlich, sie hatten vergessen, den Kindern ein Betthüpferli mitzubringen. Das war sonst ihr Tribut bei jedem Einkauf. Berta übergab die Kerzen ihrer Freundin und zog mit den Kindern zum nächsten Laden* 205