Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das Licht verlöscht
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wunden deutscher Kriegsnahrung bald überwunden hatten! Frau Sofie widmete sich heute den Kindern mit verdoppelter Innigkeit und konnte sich nicht genug tun an mütterlicher Zärtlichkeit. Es waren ihre Kinder, ganz ihr eigen, da ihr Mann deren Erziehung als Juden nicht hinderte. Sie wußte viel vom Leben, hatte Land und Leute vieler Art kennengelernt und Freunde unter Juden und Christen erworben. Sie empfand alle Menschen an sich für vollwertig, und so wenig sie ihr Judentum als minderwertig preisgab, so wenig Ueberheblichkeit zeigte sie für das Christentum oder gegen die Christenheit; hätte sie doch sonst ihren Mann nicht heiraten können. Wohl aber wußte sie viel von der Stellung, die den Juden zugemutet wird; sie wollte daher ihre Kinder nicht in der Furcht erziehen, daß sie als Christen Judenfeinde werden könnten, sie wollte selbst nicht geringwertig scheinen in den Augen der Kinder, nicht ihre eigene Abkunft verbergen und nicht ihre Buben dahin bringen, daß sie ihre Mutter verleugnen möchten. Und so hatte sie ihren Mann bezwungen, der religiös vollständig gleichgültig, mit überlegenem Lächeln die Sensation genoß, in seinen Buben künftige Makkabäer zu erziehen, wie er lächelnd sagte. Auch national war er weitherzig. Er gehörte zu jenen echten Schweizern, denen die staatliche Verbundenheit alles bedeutet: Nationalität und Konfession gilt als kulturelle Besonderheit, die IQI