Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Adolphe Crémieux
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111124-3118691--7364-3118896- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
den Juden Frankreichs seit der Revolution, seit ihrer Emanzipation geworden! Vor zehn Jahren hat das französische Mutterland die Justiz und die Finanzen, das heißt die Hütung des Heiligsten unter den Menschen und die höchste Redlichkeit, jüdischen Händen anvertraut, (Er meint damit sich selbst und Achille Fould.) Benutzen Sie, meine Herren, diese betriebsame, gewandte, treuergebene jüdische Bevölkerung, die weiß, daß sie Frankreich das Ende ihrer Knechtschaft verdankt! Der Knechtschaft! Wenn Sie wüßten, wie diejenigen Sie lieben, die Sie daraus befreit haben! Unsere ganze Religion beruht auf dem Hasse der Knechtschaft und auf der Dankbarkeit für ihre Befreier, Der Gott Israels sagt ihnen auf jeder Seite der Bibel: ,Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Lande Aegypten, aus dem Hause der Knechtschaft herausgeführt hat.1 Und heute noch, nach viertausend Jahren, bei der Feier unseres Pessachfestes, wenn rings um den festlich geschmückten Tisch die Freude strahlt aus allen Mienen, wendet sich der Sohn an den Familienvater mit der schlichten, im Gebetbuche vorgeschriebenen Frage: »Warum ist diese Freude, diese glückliche Stimmung, heute größer als alle sonstigen Tage?1 Und der Vater gibt ihm die bedeutsame, rührende Antwort: »Mein Sohn, Sklaven waren wir in Aegypten, und heute ist die Jahresfeier des großen Tages unserer Befreiung. Deshalb sind wir so glücklich'.“ Cremieux fügt hinzu: 176