Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Adolphe Crémieux
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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der Kaiser fragte ihn: „Nun sage mir einmal« weshalb feiern wir denn nächstens das Osterfest?“ Schlagfertig antwortete der Kleine: „Sie« Sire, Sie feiern Ostern, nicht aber wir!“ Der Kaiser zeigte eine verwunderte Miene. Doch unbeirrt fuhr der muntere Bursche fort: „Ja, wir, wir feiern das Pessachfest zum Andenken an den Auszug aus Aegypten.“ „Gut, so erzähle mir von dem Auszuge aus Aegypten“, rief der Kaiser belustigt. Und nun schilderte der Kleine dieses ganze Ereignis, wie es die Bibel darstellt. „Das nenne ich eine Erzählung“, wandte sich der Kaiser an seine Begleitung. „Der erzählt, als wäre er selbst mit dabei gewesen.“ Launig reichte er dem Kinde die Hand und hinterließ ihm ein Geschenk. Dieses dreiste Bürschchen nannte sich Adolphe Cremieux und war der Sohn eines, wie es heißt, als Marrane aus Portugal geflüchteten, rechtschaffenen und im Städtchen bei jedermann beliebten jüdischen Kaufmannes. Unter der Schreckensherrschaft Robespierres war ihm eine Zeitlang die Stellvertretung des alten kränklichen Bürgermeisters von Nimes übertragen worden, und in dieser Eigenschaft hatte er vier katholischen Priestern, die damals geächtet und verfolgt wurden, durch Erteilung von Freipässen das Leben gerettet. Es kam der 9. Thermidor. Robespierre endete auf dem Schafott, und seinen Anhängern drohte das gleiche Los. Auch der Vater Cremieux1 wurde wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt unter Anklage 153