Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Adolphe Crémieux
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111124-3118691--7340-3118872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Adolphe Cremieux von Dr. MaxGrunwald Das Leben Cremieux’, das vor fünfzig Jahren seinen Abschluß gefunden, beginnt mit einem bedeutsamen Auftakt. Dieser „große Jurist mit dem edelsten Herzen“, wie Heine ihn nennt, begegnet als Kind dem Größten seiner Zeit und seines Landes, Napoleon. Auf einer Reise durch den Süden Frankreichs, die der Kaiser unmittelbar nach seiner Krönung angetreten hatte, kam er eines Tages auch in das Städtchen Nimes. Er besuchte die städtische Schule und ließ sich vom Lehrer den besten Schüler bezeichnen. Der beste Schüler war ein Judenknabe. Der Lehrer, ein eifriger Katholik, stellte dem Kaiser, mit Umgehung des Judenkindes, den Zweitbesten, einen christlichen Schüler, als den Primus der Klasse vor. Der Kaiser richtete an diesen einige Fragen, und als das bestürzte Kind auf alle die Antwort schuldig blieb, fragte er den Lehrer: „Und das ist der Beste in der Klasse?“ Da erhob sich das Judenbüblein und rief keck: „Nein, Sire, ich bin der Erste! Mich fragen Sie!“ Und unerschrocken trat er vor den Kaiser und sein Gefolge. Die. Herren lachten über den beherzten Burschen, und 152