Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Lassalle, Arnold Mendelssohn und Joseph Mendelssohn
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Tat nur auf das rein persönliche Wohlwollen des Arztes zu seinem Famulus, das nur errungen und erhalten wird durch täglich sich erneuernde niedrige Schmeichelei. Aber, — sieh, so nachgiebig bin ich — auch diese niedrige unwürdige Schmarotzerei ließe sich tragen, wenn nicht bei mir noch etwas anderes hinzukäme. Ich kann wohl dem Befehle meines Obern, der gegen meine Meinung läuft, gehorchen, ja sogar in diesem oder jenem Wesentlicherem oder Unwesentlichem gegen meine eigene Meinung handeln, — aber das reicht alles hier nicht aus, hier handelt es sich um etwas ganz anders. Wenn mir mein Chef etwas befiehlt, so werde ich um meine Meinung gar nicht gefragt, sie kommt gar nicht ins Spiel, ich mache mich zum stummen Vollstrecker seines Willens. Das kann man. Seine Meinung bloß nicht aussprechen, das darf man. Hier aber muß ich weit mehr, ich muß ihr auch Hohn sprechen, muß freiwillig sie verläugnen, darf nicht bloß nicht sagen, was ich denke, sondern muß das positive Gegenteil sagen von dem, was ich denke; ich muß das Gegenteil von meiner Meinung als meine Meinung ausgeben — das ist unmoralisch, Lüge, Heuchelei und da es sich z. B. in meinem Fache grade um die Kleinigkeit „Menschenleben1' handelt, wohl auch Sünde in des Worts verwegenster Bedeutung. Und bei alle dem und trotz alle dem würde ich es doch tun, wenn nicht noch ein andres und 84