Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Lassalle, Arnold Mendelssohn und Joseph Mendelssohn
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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her kam es, daß meine Stellung zu meiner eigenen Fachwissenschaft, der Medizin, jetzt eine ganz andre wurde. Früher hatte ich sie ohne Lust und Liebe wie ein Metier betrieben. Jetzt lernte ich den Gedanken in ihr erkennen, die Vernünftigkeit dessen begreifen, was mir früher nur zusammenhangloses, äußerliches, unvernünftiges Material gewesen zu sein schien. Das Handwerk wurde mir zur Wissenschaft. Daß aus dieser neuen Erkenntnis für mich [die] wichtigsten Folgen in Bezug auf meine medizinische Produktivität und Kenntnis erwachsen, ergibt sich mit Notwendigkeit. Da die folgenden Ausführungen, wie erwähnt, in der Nachlaßausgabe Bd. I S. 154—158 gedruckt sind, sei hier nur ein Auszug gegeben. Durch die (Hegelsche) Philosophie sei er (Arnold) auch zu einer „innern Beruhigung“ gekommen. ,,War ich früher ein griesgrämlicher Kerl gewesen, dem es nirgendwo recht war und am allerwenigsten in seiner eigenen Jacke und Haut, war ich von allem Existierenden unbefriedigt gelassen, so mußte ich jetzt vielmehr dies tadelsüchtige, mißmütige Wesen fahren lassen, als ich dazu kam, die Vernunft, die Wahrheit, den Gedanken in dem Existierenden zu begreifen. Oh, es ist ein ganz eignes Glück, erlöst zu sein aus der leeren Unzufriedenheit des Liberalismus, aus diesem tadlerischen Besserwissen, das sich nirgends wohl und zuhause fühlt, dem die ganze Welt 63