Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Zur Weltlage der Juden im 20. Jahrhundert
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 24)
- Language
- German
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dern auch des wohl verstandenen sozialistischen Ideals. Ein solches System der wirklich freien Konkurrenz würde Freiheit und Gleichheit gewährleisten. Aber der Kapitalismus ist nicht ein solches System. Er ist eine historischeEpoche und jede historische Epoche enthält noch lebenskräftige Reste aus der Vorzeit, gerade so wie sie bereits die Keime künftiger Gestaltung der folgenden Epoche enthält. So auch der Kapitalismus. Er ist nicht vom Himmel gefallen, hat sich nicht zwischen Menschen gleichen Rechtes und gleichen anfänglichen Besitzes friedlich entwickelt, sondern er ist entstanden im feudalen Raum. Der Feudalismus aber ist charakterisiert durch zwei grundlegende Institutionen: die verfassungsmäßige Ständescheidung in Herren und Untertanen und durch das Großeigentum an dem einzigen wichtigen Produktionsmittel jener kriegerischen Zeit, dem Grund und Boden. Gegen diese beiden Monopolstellungen mußte sich die junge Verkehrswirtschaft Geltung und Lebensraum erkämpfen, und es ist nicht erstaunlich, daß sie dabei nur verzerrt und verkrüppelt erwachsen konnte. Den gewaltigen Gegensatz, an dem wir heute leiden, hat die Verkehrs Wirtschaft nicht geschaffen, sondern als verhängnisvolle Erbschaft übernommen: den Gegensatz zwischen einer vermögenslosen Volksmasse auf der einen und riesigem Großeigentum auf der anderen Seite. Und wenn heute die 52