Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Zur Weltlage der Juden im 20. Jahrhundert
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111124-3118688--7223-3118758- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
hinaus ihre Lage nicht als geradezu gefährlich bezeichnet werden kann. In Deutschland aber sind einzelne gewaltsame Ausschreitungen, ich will nicht sagen wahrscheinlich, aber doch wohl möglich. Ganz gewiß wird sich die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage der großen Masse der deutschen Juden noch verschlimmern: der gegen sie gerichtete soziale Boykott, die Abschließung des Großbürgertums gegen sie — und, schwerer zu ertragen und gefährlicher, ihr Ausschluß aus vielen Berufen, in denen sie früher fast unangefochten leben konnten, namentlich dem der kaufmännischindustriellen Angestellteh. Das wird für einen Teil von ihnen die Auswanderung, sei es aus dem zum Stiefvaterlande gewordenen Vaterlande, sei es aus ihrer angestammten Religionsgemeinschaft, herbeiführen; ein anderer Teil wird zu leiden haben, aber gerade die begabtesten und charakterstärksten Elemente werden dadurch zu nur noch höherer Einsetzung aller ihrer Kräfte gespornt werden und dennoch durchdringen. In den übrigen Teilen der weißen Welt sieht es günstiger aus. Freilich haben sich die Vereinigten Staaten von Amerika gegen die Einwanderung überhaupt und entsprechend gegen die jüdische Einwanderung immer stärker abgesperrt, so daß dieser Hauptzufluchtshafen dem unglücklichen Volke nicht entfernt mehr in dem Maße zugänglich ist wie vor der Weltkrise des Weltkrieges. Aber das Land selbst mit seiner unge- 38