Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Zur Weltlage der Juden im 20. Jahrhundert
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 5)
- Language
- German
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bilden. Das muß man verstehen, um es recht zu würdigen, daß überall gerade die Studenten, vor hundert Jahren der Sturmtrupp der Befreiung, sich massenhaft dieser Bewegung anschließen: es sind nicht lauter reaktionäre Saufbrüder, sondern es sind viele ehrliche, ja glühende Idealisten unter ihnen. Und das gleiche gilt von den jungen Offizieren, die wir auch überall an der Spitze finden; der Leipziger Hochverratsprozeß hat gerade jetzt uns tief in diese Verknäuelung der Begriffe und Gefühle blicken lassen. Es ist immer wieder die gleiche Erscheinung, daß die jungen Leute Nationalgefühl und Nationalismus verwirren. Es gilt hier ganz das, was Friedrich Nietzsche von einer nächstverwandten Erscheinung sagte, vom Staate, dem „kalten Untier“, wie er ihn nennt. „Und diese Lüge geht aus seinem Munde: Ich, der Staat, bin das Volk. Lüge ist es . . . und nicht nur kurz Geäugte und lang Geohrte verführt er, auch in eure Ohren raunt er seine düsteren Lügen, ihr Besieger des alten Gottes. Gern sonnt es sich im Schein guter Gewissen, das kalte Untier.“ Das gute Nationalgefühl ist so alt wie die Nationen, aber der böse Nationalismus ist, ich wiederhole es, mit dem Kapitalismus in einer Stunde geboren. Und so ist es selbstverständlich, daß mit der Krise des Kapitalismus, in der wir stehen, auch der Nationalismus seiner Höhe zusteigt, und daß sein Exponent, der Antisemitismus, sich in immer ungeheurerer Größe und gefähr- 3 33