Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Ludwig Stein
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 7)
- Language
- German
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kennen wir keine kausalen strengen Gesetze, nur Tendenzen merken wir hier. Die Gesellschaft ist kein Organismus, sondern eine Organisation, der Ausfluß einer bestimmten Zwecksetzung menschlicher Imperative. Von hier aus ist nur ein Schritt zur Steins Sozialphilosophie und Soziologie. Die soziale Frage ist nach Stein gerade das Kulturproblem des 19. und 20. Jahrhunderts; seine Leistung wird die physiologische, intellektuelle und moralische Höherbildung des Menschen sein. Daher Steins starkes Hinneigen zu Humes Philosophie, den er nicht als Skeptiker, sondern als Vertreter biologischer Erkenntnistheorie auffaßt. In der Soziologie tritt die stark von der Biologie her beeinflußte Anschauung Steins hervor. Er ist bestrebt, nicht bei den Tatsachen stehen zu bleiben, sondern zum sozialen Sollen vorzudringen und Richtlinien in die Zukunft hineinzuzeichnen. Wie die Philosophie nach den Definitionen Comtes und Wundts ihrem Wesen nach dazu berufen ist, die letzten Verallgemeinerungen aller Wissenschaften zu ziehen, um dieselben in ein widerspruchsloses Verhältnis zu setzen, so hat die Soziologie die Wechselwirkung menschlicher Individuen, d. h. alle Formen menschlichen Zusammenlebens und Zusammenwirkens zu untersuchen, um auf Grund dieser universellen Betrachtung des gesellschaftlichen Geschehens eine soziale Weltanschauung herauszupräparieren, gleichwie die großen Denk- 25