Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Ludwig Stein
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 5)
- Language
- German
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Ludwig Stein sah in der Philosophie als führender Kulturwissenschaft die vollständig vereinheitlichte Erkenntnis eines jeden Zeitalters und definierte die Aufgabe der Philosophie ganz allgemein dahin, daß sie in die Vielheit der Erlebnisse die Einheit lückenloser Einsicht zu bringen hat. Unter allseitiger Berücksichtigung der neuesten Forschungsergebnisse zieht er mit Recht auch die bisher zu wenig behandelte orientalische Philosophie, besonders die der Inder, in den Kreis seiner Betrachtung und gewinnt damit ein wertvolles Hilfsmittel zum Nachweise weniger der geschichtlichen als der logischen Kontinuität in der Menschheitsentwicklung, in der die Philosophie geradezu eine psychologische Kategorie darstelle. Die Umwandlung des Mythologischen in Logisches, das Auftauchen des Stoffproblems, der Uebergang von hier aus zum Erkenntnisproblem und schließlich die Ausmündung des philosophischen Denkens in die Ethik ist der durchgehende Faden der Erörterungskreise, die nun auch im einzelnen nachweisen, wie von Thaies bis auf Nietzsche eine geschlossene Kontinuität von 2500 Jahren das philosophische Leben beherrscht und, sei es mittelbar, sei es unmittelbar, an die ersten Denkergeschlechter Griechenlands anknüpft. Jedes Zeitalter, sagt Stein, muß auf Grund seiner naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und geschichtlichen Einsichten dieselben Probleme behufs Herstellung des logischen Gleichgewichts eines ge- 23