Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Die Juden im Amerika spanischer Zunge
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 161 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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berührenden Angelegenheit tätig. Im Jahre 1612 hatte nämlich ein amerikanischer Schriftsteller, Mejia de Oranda, einen peruanischen „Gotha", das heißt ein Verzeichnis aller Familien des Kolonialadels herausgegeben. Ein eifriger Glaubensrichter behauptete aber, daß unter den als Aristokraten angeführten Leuten sich eine Anzahl stark des Judentums verdächtiger Familien befände, und daß diese ihre Aufnahme in den Kreis kastilianischer Adliger mit fünfzig Peso per Kopf bei dem Verfasser erkauft hätten. Da man gerade damals wegen des Toleranzediktes keine Hebräer verbrennen konnte, so mußte sich die Inquisition mit dem Vernichten dieses Buches begnügen und verbot es als ketzerisch. Trotzdem hat sich ein Exemplar bis in das 20. Jahrhundert hinübergerettet und befindet sich heute in der Bibliothek der Geschichtsakademie zu Madrid. Das letzte Mal, daß die Inquisition des peruanischen Vizekönigreiches einen Menschen als des Judentums verdächtig verhaftete, war im Jahre 1749. Ein französischer Geiger^) namens Mögen oder Moyen landete in Buenos Aires, um sich nach Potosi — im heutigen Bolivien — zu begeben Auf der damals wochenlangen Reise machte er sich bei seinen Gefährten und den Fuhrleuten durch irreligiöse Reden sowie durch Nichtachtung des sechsten Gebotes unbeliebt, so daß sie ihn nach ihrer Ankunft in Potost fiugs dem Glaubensgerichte als „französischen Juden" angaben. Vicuüa-Macena, dem wir eine genaue Schilderung des Leidensganges des Pariser Künstlers verdanken, sagt bei dieser Gelegenheit: „Allerdings kannte man damals in Amerika nur drei Menschenrassen: Die „obapvrons-j",^) das waren die Spanier, die Kreolen, die in Amerika geboren waren, und die Juden. ° Zu dieser Kategorie rechnete man alle Ausländer und besonders die Portugiesen, denn es ist bekannt, daß nach Vertreibung der Israeliten aus Spanien sich viele nach der toleranteren Stadt Lissabon begaben."^ ) Man ließ den unglücklichen Mögen dreizehn volle Jahre als des Judentums verdächtig teils in Polost, teils in Lima im Kerker schmachten, und schließlich wurde er zwar nicht als Hebräer, sondern als Ketzer zu Geißelung, Deportation und zehnjährigem Zuchthause verurteilt. n