Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Zur Soziologie der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 99 (sequence 16)
- Language
- German
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— 99 — wurde sogar z. T. aus biologischen Gründen im Hinblick -auf die Gesetze, unter denen der Frauenkörper steht, z. T. aus mangelnder Erkenntnis der Aus- Laukräfte der Frauen vielfach nicht gewünscht. Interesse «n jüdischen Fragen konnte erweckt, praktische Arbeit gefördert werden. Eine neue Umformung der Lebensverhältnisse der jüdischen Frauen unter den neuen häuslichen und Arbeitsverhältnissen ist nicht begonnen und gefördert worden. Der Jüdische Frauenbund stellt bis jetzt eher einen Kulturkreis als eine Bewegung dar, -anregend, bereichernd, verknüpfend, — kaum gestaltend in seinen Auswirkungen. Ob der Rhythmus der Bewegung die strebenden Kräfte in Zukunft erfassen und M schöpferischer Gestaltung bringen wird, wird abhängig sein von der Möglichkeit der Wirksamkeit der Frauen in Der jüdischen Gemeinschaft, die im Gegensatz zu allen anderen Körperschaften in Deutschland sich bisher nicht für die allgemeine Zulassung der Frauen entschieden hat. Die dritte Abgeordnetentagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden v. 27.bis28. März 1927 hat sich bei der Annahme des Entwurfs zu einem neuen preußischen Judengesetz mit einer Mehrheit der Konservativen, eines Teiles der Liberalen und der Misrachisten aus der Volkspartei für ein erheblich beschränktes Wahlrecht der Frauen entschieden- Die Entwicklung zu einer jüdischen Frauen bewegungist aber vor allem davon abhängig, ob ihr Führerinnen entstehen werden, die, wie Die Begründerin des Jüdischen Frauenbundes: Bertha Pappenheim, die Aufgaben der Bewegung erkennen und für sie kämpfen werden, aber darüber hinaus auch die keimenden Kräfte zu werten und in den gemeinsamen Dienst des Kampfes zu stellen vermögen, mm der Bewegung Werden und Wachsen zu ermöglichen. 7*