Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Zur Soziologie der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 84 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3111067-3111122-3118458--7075-3118573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zur Soziologie der jüdischen Frauenbewegung in Deutschland. Von Siddy Wronsky, Berlin. «Memeguttg ist die Wesenserscheinung jeder geschichtlichen Entwicklung. Sie entsteht da, wo Lebensformen erstarrt sind und die Naturgesetzlichkeit der wachsenden Keimkräfte abzubiegen und zu ersticken drohen. Sie schafft den werdenden Entwicklungen Raum durch Revolution — Vernichtung der Formen — oder durch Evolution — Anpassung der Formen an die neuen Lebensbedürfnisse. Da, wo es gelingt, die Urform unter Wahrung der Eigengesetzlichkeit einer Lebensgemeinschaft neu zu gestalten, wird die Bewegung zur schöpferischen Idee, deren Rhythmus bestimmt ist vom Gleichmaß des Werdens im All. Die vielfachen Bewegungen in den Kulturen der Menschheit: Volksbewegungen, nationale, religiöse, politische Bewegungen, Arbeiterbewegungen, Jugendbewegungen und Frauenbewegungen sind in diesem Zusammenhang zu erkennen und zu werten. Die Eigengesetzlichkeit des Frauenlebens gibt den Frauenbewegungen ihre Bindung und Kraft. Unabänderlich beherrscht von dem Naturgesetz des Empfangens und Gebärens, ist die Möglichkeit der Frau für den Vewegungskampf in Zeit und Energien begrenzt; — durch die Kausalitätszusammenhänge zum werdenden Leben, das von ihr gestaltet wird, wird der Kampf durch Ausdauer und Zielsicherheit der Erfüllung näher gebracht. Die Frauenbewegungen entstehen, wo Lebensformen, von den Männern einer Epoche gebildet, der Entwicklung der Frauenkräfte nicht entsprechen und das Leben dieser Kräfte bedrohen.