Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Über die Juden und das Theater
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 82 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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82 — so. weih jeder, was es damit auf sich hat, und jeder sieht diese geliebte Erscheinung mit den kreisrunden Augen, mit dem durch eine winzige Bürste von Schnurrbart um seinen Ausdruck gebrachte Gesicht, den steifen Hut der Großstadt auf, Zeug, das eng und zu weit ist, am Leibe, mit den armen Plattfüßen, das dünne Spazierstöckchen nicht zu vergessen. Was ist der Sinn dieses Schlehmils und Benachteiligten? Der unendliche Krieg des Geistes mit der Gewalt, des guten Einfalls mit der plumpen Masse, des Lebendigen mit dem Starren, der begnadeten Schwäche mit der gottverlassenen Macht: — der Mythos von David und Goliath. Er spielt das Recht des Armen auf der Welt, der nichts hat und dem alles zukommt; er spielt es zart, unverfroren, verschlagen und unschuldig: eine unsagbare Mischung, aus einer uralten Entrechtetenexistenz heraus erfunden. Man liest, er will einen Ehristusfilm machen. Da ist nichts Lächerliches. Es wäre das natürlichste von der Welt, wollte er versuchen, den Judenmenschen Jesus, um dessen Gesicht so viel Kunst sich Mühe gegeben hat, aus feiner sanften, starken, wissenden, todernsten Landstraßenlieblichkeit und Arme-Leute-Brüderschaft einer neuen Welt zu malen. . .. Es hat sich gezeigt, daßes auf dem Boden des Theaters, wo so sehr das Innerste von Mensch und Volk zutage tritt, ein merkwürdig schöpferisches Miteinander von deutschem, von europäischem und jüdischem Wesen gibt, eine Symbiose, — um diesen Ausdruck der Naturwissenschaft für das gesetzliche Zusammen artverschiedener Lebewesen zu brauchen —, die für alle andern Lebensgebiete nachdenklich machen sollte und Theoreme, die die Völker in ihren Eigenschaften und Kräften ein für allemal, determinieren und gegeneinander abschließen wollen, als das enthüllen, was sie sind: aus uralten, unreinen Quellen genährte Dogmatik, Halbwissenschaft, besessenes Starren einer vergehenden Epoche, eine falsche Fragestellung. Das Werden, das Geheimnis des Lebens ist durch nichts im voraus zu ermessen und durch keine Aussage zu binden. Der Vorgang gemeinsamer