Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1927-01-01 · 28 (1927) · p. 63

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
28 (1927)
Article
Über die Juden und das Theater
Date
1927-01-01
Page
63 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111122-3118457--7053-3118552
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Heber die Juden und das Theater" Aus einem Vortrag von ErwinKalser, Schauspieler und Regisseur an der Piscator-Bühne zu Berlin. 'Wer Jude und das Theater ist eine Begriffsverbindüng, die sich für uns aus der Praxis des Heutigen sozusagen von selbst versteht. Aber vergessen wir nicht: beides, Jude und Theater, sind Lebensphänomene, die jedes für sich, ohne voneinander zu wissen, in seiner Zeitliefe und Raumferne wurzelnd, langsam über die Jahrhunderte und die Länder der Erde her wachsend, das besondere Gesicht, das besondere Gebilde geworden sind, das wir als den heutigen Juden und als das heutige Theater kennen. Und vergessen wir nicht, daß es sich ganz und gar nicht von selbst versteht, daß diese beiden Phänomene in eine Lebensgemeinschaft geraten sind, wie sie uns heute geläufig ist. Kurz: verwundern wir uns fürs erste einmal! Die beste Methode, zu begreifen. Sehen wir die uns heut vor Augen stehende Tatsache aus unberechenbaren Vorgängen, Kräften, Anlagen sich ergeben und lassen wir uns nicht durchs das Bedürfnis irreführen, nachträglich für alles Geschehene prinzipielle Notwendigkeiten zu konstruieren. Halten wir uns an das Geschehen selbst. Der Jude, der es heute unternimmt, seinen Anteil an irgendeinem Gebiet des Lebens zu diskutieren, tut das nicht aus leerer Neugier, aus „objektiver" Wissenschaftlichkeit. Er tut es aus Selbsterhaltung. Aber diese Selbsterhaltung ist nicht zuletzt eine vor sich selbst. Sie bedeutet den Mut, das gute Gewissen zu sich selbst. Beides kann ihm nur aus der unbeschönigten, rein gesehenen Realität, aus der tiefsten ihm erreichbaren Tatsächlichkeit kommen. Nur sie können ihm den Grund und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.