Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Achad Haam
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 29 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 29 — net und herabgesetzt werden sollte. Natürlich hat Achad Haam niemals die geschichtliche Mission des jüdischen Volkes in Abrede gestellt; er meinte nur, sie für die Zukunft entbehren zu können, und jedenfalls soll sie nicht als Grundgedanke für die weitere Entwicklung des jüdischen Volkes gelten. Der Gedanke von der Mission des jüdischen Volkes, d. h. von seiner Stellung in der Menschheit, ist so alt, wie das Judentum und wie das geschichtliche Bewußtsein unseres Volkes. Im biblischen Schrifttum kommt er häufig zum Ausdruck, und am meisten in den Trostreden des Deuterojesaja. Zn neuerer Zeit hat ihn Ludwig Philippson in einer Rede auf der jüdischen Synode zu Augsburg in schwungvolle Worte gekleidet. Aber auch sein Antipode Samson Raphael Hirsch, der das jüdische Zeremonialgesetz in allen seinen Einzelheiten aufrechtzuerhalten predigt, spricht oft mit großer Begeisterung von der Mission Israels und des Judentums in aller Zukunft. Es ist nicht meine Absicht, in diesem Aufsatz eine Analyse der Jdeengänge Achad Haams zu geben, und noch weniger, gegen sie zu polemisieren. Aber diese Ansicht Achad Haams von der Bedeutung der Missionsidee ist der Kardinalpunkt seiner jüdischen Weltanschauung, und in ihr gipfelt seine ganze literarische Wirksamkeit. Ich habe immer die lächerlichen Auswüchse der Missionsidee bekämpft, soweit sie nur eine hohle Phrase bedeutete. Aber die Idee selbst ist nicht nur historisch begründet, sondern sie bildet auch die Grundlage für den Fortbestand des jüdischen Volkes. Achad Haam stand im Sommer 1897, als der erste zionistische Kongreß in Basel vorbereitet wurde, auf der Höhe seiner Popularität in Rußland. Er hat den Kongreß in keiner Weise bekämpft, vielmehr nahm er eine Einladung zu dessen Tagung an. Ich habe ihn unmittelbar vor seiner Reise nach Basel gesprochen, und ich kann bezeugen, daß er hoffnungsvoll und mit dem festen Entschluß, nach Kräften mitzuarbeiten, nach Basel ging. Auch auf der Rückreise von Basel besuchte er mich. And