Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 28 (1927)
- Article
- Achad Haam
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 18 - Gedanken in einer der von ihm beherrschten europäischen Sprachen vorzüglich zum Ausdruck zu bringen. Aber er hat es immer abgelehnt, anders als hebräisch zu schreiben, und alles, was er in einer anderen Sprache veröffentlicht hat, wurde von ihm hebräisch geschrieben und durch andere übersetzt. Seine hebräische Sprache ist allerdings von einer klassischen Formvollendung. Ich bewerte sie hier rein stilistisch. Wenige hebräische Schriftsteller früherer literarischer Epochen und in unserer Zeit haben die hebräische Sprache mit solcher Sorgfalt beherrscht und behandelt und mit solcher Gediegenheit gehandhabt wie er. Wenn man seine Aufsätze liest, gewinnt man gleich den Eindruck, daß er vom Beginn seiner literarischen Tätigkeit seinen Worten eine große Bedeutung beimatz. Dies geschah nicht etwa aus dünkelhafter Ueberhebung. sondern aus dem Gefühl der großen Verantwortung, die jeder ernste Mensch mit dem in die Oeffentlichkeit gesandten Wort übernimmt. Wie seine Gedanken reiflich erwogen und durchdacht waren, so war auch seine Darstellung sorgfältig gewählt und geformt. Der Leser, der Achad Haams gesammelte Aufsätze mit einem hohen ästhetischen Eenutz liest, macht sich kaum eine Vorstellung davon, wie schwer und mühevoll der Autor an seinen literarischen Schöpfungen gearbeitet hat. Er hat es sich niemals leicht gemacht. Vor etwa dreißig Jahren legte ich ihm nahe, er möchte eine von mir erschienene Schrift in der von ihm begründeten und redigierten hebräischen Monatsschrift „Haschiloach" besprochen. Er tat dies, schrieb mir aber, daß ich wohl kaum eine Ahnung davon haben könnte, wie schwer ihm das Schreiben sei. Diese Aeutzerung tat er auch mündlich des öfteren gegen mich. Achad Haam. der sich in der hebräischen Literatur einen unsterblichen Namen geschaffen hat, fühlte sich niemals als Schriftsteller. Mit einiger Uebertreibung sagte er einst, er müsse selbst für das Abfrssen eines Privatbriefes auf eine günstige Stimmung warten. Ich hebe dies hervor, weil ich darin den Schlüssel zur Erklärung seines großen Erfolges als Publizist erblicke. Er schrieb alles in einer Stimmung.