Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Louis Loewe
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 12)
- Language
- German
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159 Gunsten der arg bedrückten Glaubensgenossen zu intervenieren. Er versicherte sich der Hilfe und des Beistandes seines Freundes Loewe. Nach einer Audienz bei Zar Nikolaus bereisten sie das Land und Loewe nahm Gelegenheit, in zahlreichen Vorträgen und Predigten auf die russischen Juden einzuwirken. Berühmt wurde seine Predigt, die er in Wilna in der großen Synagoge vor Tausenden von Zuhörern hielt, sodaß der Name Elieser halevi in Rußland eine dauernde Popularität besitzt. Es waren nicht weniger als 13 Reisen, die Montefiore zu Gunsten der Juden unternahm, ins Heilige Land, nach Rumänien, Rußland und Rom, auf denen Loewe stets an seiner Seite war. Im Jahre 1866 gründete Montefiore das Lehrhaus zur Heranbildung von Rabbinern, das College Ohel Mosche we Jehudith in Ramsgate, wobei Loewe an dem Zustandekommen dieses Werkes den Hauptanteil hatte. Er wurde auch dessen Rektor und mußte deshalb seinen Wohnsitz von Brighton nach Broadstairs, einem kleinen Orte in der Nähe des Seminars, verlegen. In der großen Aula des College in Ramsgate, dessen Wände mit über 100 Begrüßungsadressen, die Montefiores Taten rühmen, geschmückt sind, ließ Montefiore Loewes Bild in Lebensgröße aufhängen. Auch um die Bibliothek dieses Lehrhauses machte sich Loewe verdient, indem er einen bibliographisch sehr wertvollen Katalog der Büchersammlung Montefiores anlegte. Der Freundschaftsbund mit Montefiore wurde durch nichts getrübt. Bis zum letzten Atemzuge bewahrte ihm Montefiore liebevollste Gesinnung, höchste Achtung und uneingeschränktes Vertrauen. In seinem Testamente hatte er Loewe neben Joseph Sebag, Lord Rothschild und seinem Neffen, dem Queens Count Arthur Cohen zum Vollstrecker seines letzten Willens eingesetzt. Als Montefiore auf dem Sterbebette lag, durfte Loewe nicht von ihm weichen. Als man den großen Toten zu seiner letzten Ruhestätte trug, mußte Loewe als der erste an der rechten Seite die Bahre tragen. Montefiore, der wohl wußte, daß kein anderer als sein langjähriger „kidus Achates“ der Arbeit gewachsen war, war es darum zu tun, der Nachwelt eine zusammenhängende Geschichte der