Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Louis Loewe
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 10)
- Language
- German
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157 ist, endete die Unterredung damit, daß der Sultan einen Firman erließ, mit welchem er den Juden seines Reiches die volle Gleichberechtigung mit allen Bürgern des türkischen Staates bestätigte, eine Tat, die mit Recht die „magna carta libertatum“ der türkischen Juden genannt werden darf. Damals Predigte Loewe in den verschiedenen Gemeinden Konstantinopels und anderer türkischer Städte in den Sprachen, deren sich die Juden bedienten, spanisch, italienisch, hebräisch und deutsch. Nicht nur der Inhalt der Reden, sondern ebenso die Sprachgewandtheit des Redners erregte gerechte Bewunderung. So schrieb damals „Manzari Shark" vom 9. November 1840, die führende Zeitung in Smyrna: „Der gelehrte Redner meisterte gleichzeitig ohne die geringste Schwierigkeit vier Sprachen, indem er jeden Satz und Gedanken fließend der Reihe nach vortrug." Der Berichterstatter fügte hinzu: „Mehrere und häufigere Vorträge solcher Art wären in diesem Lande, wo Bildung und Wissen seit Jahrzehnten vernachlässigt und verdrängt sind, von unbeschreiblichem Werte." Auf der Heimreise besuchten Montefiore und Loewe in Rom den Kardinal Rivarolo, um diesen zu bestimmen, die Inschrift über dem Grabe des Pater Thomas, die durch ihren Text gegen die Juden aufreizte,*) zu entfernen. Bei dieser Gelegenheit machte Loewe in der Bibliothek des Vatikans wichtige wissenschaftliche Funde, so ein schönes Gedicht von Samuel hanagid und eines von Jbn Esra, und übersetzte sehr alte Schriften in verschiedene Sprachen. Auch in Paris machten sie Station, um den König Louis Philipe für die Sache der Juden zu gewinnen, und Loewe übersetzte ihm den Firman des Sultans. Nach London zurückgekehrt, harrten Montefiores und Loewes große Ehren als Lohn für ihre Mühe und ihren Erfolg. Im März 1841 wurde von dem Board of Deputies (Vertretung sämtlicher Juden Englands und der Kolonien) eine Sitzung abgehalten, in der eine Dankadresse an Loewe mit folgendem Wortlaute beschlossen wurde: „Die Versammlung hat mit höchster Befriedigung von ihrem Vorsitzenden, Sir Moses *) Die Inschrift lautete: „Hier wurden die heiligen Gebeine der Pater Thomas entweiht, der von den Juden ermordet wurde."