Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Das Kulturproblem in der jüdischen Geschichte
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Kulturproblem in der jüdischen Geschichte?) Von Felix Perles. tie bisherigen Darsteller der jüdischen Geschichte sind an ihren Gegenstand von zwei verschiedenen Gesichtspunkten aus herangegangen, indem die einen mehr Volksgeschichte, die anderen mehr Religionsgeschichte erzählten. Beide Auffassungen sind bis zu einem gewissen Grade berechtigt, und beide haben darum auch ihre bedeutenden Vertreter. So haben Jost und Abraham Geiger es unternommen, eine Geschichte des Judentums zu schreiben, während Grätz und seine Schule und Dubnow die Geschichte des jüdischen Volkes behandelten. Beide Auffassungen müssen aber einander starke Konzessionen machen, da keine von beiden sich in einseitiger Beschränkung streng durchführen läßt. Weder die äußere Geschichte des jüdischen Volkes noch die innere Geschichte des Judentums lassen sich restlos in den Rahmen einer pragmatischen Geschichtsdarstellung spannen. Da die Juden nach dem Untergang ihres zweiten Staatswesens und speziell nach dem traurigen Ausgang des Bar-Kochba-Ausstandes nicht mehr selbständig Geschichte machten, sondern nur noch Objekt der Geschichte waren, fehlen für den Darsteller der bloßen Volksgeschichte die wesentlichen Momente, an denen eine Entwickelung aufgezeigt werden kann. Und die andere Auffassung wieder, die es nur mit dem Judentum zu tun hat, muß notwendig versagen in den ausgedehnten Perioden, wo das religiöse Leben erstarrt war *) Montagsvorlesung zu Gunsten des Stipendienfonds der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Berlin, 2. März 1925.