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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 54

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Der Sohar
Date
1926-01-01
Page
Seite 54 (sequence 21)
Language
German
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64 *eti. Ohne die aufopfernden Leiden des Königs Messias wäre die Fülle des jüdischen Elends völlig unerträglich. Auf des Messias Schmerzen deutete schon der Prophet Jesaia hin: „Fürwahr, unsere Krankheiten — e r trägt sie, und unsere Schmerzen — er muß sie erdulden . . . Er ist durchbohrt von unseren Missetaten, niedergedrückt durch unsere Sünden" (Zes. 53.4—5).") Wie der Messias von unendlichem Erbarmen für die Juden im Ealuth erfüllt ist und ihnen willig ihr Leid tragen hilft, ungeachtet ihrer großen Sünden, so wird er dereinst, nach seinem Erscheinen, ihnen in väterlicher Milde begegnen. Ganz anders wird sich der Messias den Völkern gegenüber verhalten, die Israel unterdrückt und gepeinigt haben, sehr streng wird er mit den Missetätern und Vösewichten verfahren. Der Messias im Sohar, wie überhaupt in der mystischen jüdischen Literatur, ist kein weichmütiger, sanfter, milder Typus, in der Bibel ist er von viel gütigerem, leutseligerem Gepräge. Im Ealuth, in den grausamen Verfolgungen, die das jüdische Volk erleiden mußte, hat sich auch der Messiasbegrifs gewandelt: der Messias erscheint nunmehr im Gewände der Vergeltung, er ist jüdisch-nationalistisch geworden. Der Messias in der Bibel ist viel universeller, er ist der große Welterlöser, der Befreier aller Völker. Späterhin wurde seine Sendung wesentlich anders aufgefaßt: alle bösen Völker sollen untergehen, der Messias sollte nur den Juden Erlösung aus den Leiden des Ealuth bringen. Der Messias des Sohar ist den Frevlern gegenüber vom Geiste der Vergeltung beseelt, er kennt kein Erbarmen für die Ruchlosen. Die Menschheit ist zu tief gesunken, sie watet im Pfuhl der Sünde, und es gibt keine Rettung für sie. Die Gottlosen können nicht gebessert werden, sie müssen zugrunde gehen- Die vollkommene Erlösung kann erst Platz greifen, wenn das Verderbte, Sündhafte, Gottlose aus der Welt verschwip- «) ibid. II. 212.

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