Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Solidarität, Toleranz und Humanität
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111116-3118053--6569-3118214- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
daß wir ohne Interesse und ohne Zweck, rein aus dem guten Willen heraus, für andre fühlen. Es bricht Linst der Tag an. wo wir das Gute tun werden, bloß weil es gut ist. Daß dieses dritte Reich einmal tommen wird, ist nicht mathematisch, wohl aber geschichtlich sicher. Es gehört nicht, wie die Natur, dem Reiche des Seins und Müssens, sondern es realisiert sich in der Welt der Freiheit, d. h. der Zwecke und Werte. Man kann es uns nicht mit Maß und Zahl demonstrieren, aber man soll daran als an ein Postulat der historischen Vernunft glauben; denn indem man fest daran glaubt, ist man auf dem besten Wege, es zu verwirklichen. Wann dieses dritte Reich sich vollenden wird? „Und was habe ich denn zu versäumen? Ist nicht die Ewigkeit mein?" (Lessing). Die jüdische Religion hat Solidarität, Toleranz und Humanität mit unvergänglichem Griffel in ihr geschichtliches Postament eingegraben. Wir Juden haben warten gelernt. Wir werden unseren säkularen Kampf gegen Brutalität und Bestialität in den menschlichen Beziehungsformen erst aufgeben, wenn unsere Ideale verwirklicht sein werden.