Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Solidarität, Toleranz und Humanität
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 1)
- Language
- German
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Solidarität, Toleranz und Humanität/) Von Professor Dc. Ludwig Stein. hat der Mensch, dieser „geborne Kopist der Natur und Plagiator der Wirklichkeit", die Toleranz gelernt? Der Nachahmungstrieb, auf dem der französische Soziologe Gabriel Tarde die Soziologie aufgebaut hat, sitzt uns sicherlich tief im Blute. Der Mensch hat offenbar in seiner Natur- „Mimicri" solche Toleranzformen, die in der Natur , unbewußt-zweckmäßig vorgebildet sind, übernommen und bewußt-zweckmäßig um-und ausgebildet. Sind Duldung und Schonung von Lebewesen auch im reinen Naturprozeß so wirksam, daß der Mensch an ihm die ersten Rudimente der Schonung und Rücksicht gegen andre entziffern konnte?' Kennt die Natur nur den rücksichtslosen Kampf ums Dasein, oder finden sich im reinen, unreflektierten Naturprozeß schon Spuren von Duldung? Das Grundgesetz der Naturwissenschaft, das Mayer-Helmholtzsche Gesetz von der Erhaltung der Kraft, klärt uns darüber aus, daß keine Kraft, also auch keine Wirkung verloren gehen kann, und die Äquivalenzformel in der Physik besagt, daß derAustausch der Energieformen nach dem Gesetz vom Parallelogramm der Kräfte erfolgt. Clausius stellte bekanntlich den Satz i) Die drei Grandsäulen der jüdischen Religion werden in meiner „Einführung in die Soziologie" (München, Rösl & Co.), auf Grund biologischer Beobachtungen soziologisch fundiert. 133