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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 128

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 128 (sequence 48)
Language
German
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WUWMWNWWWKWWßWNM Bürgerschaft. Allein sein echtjüdisches Empfinden ertrug es nicht, daß die wenigen jüdischen Familien ohne allere gemeindlichen Zusammenhang dahin lebten. Mit der ihm eigenen klugen Entschlossenheit schritt er vorwärts und steckte die Grundlinien zur Errichtung einer jüdischem Gemeinde mit sicherer Hand ab. Nach Kempener Vorbild, aber den grundverschiedenen örtlichen und zeitlichen Verhältnissen entsprechend angepatzt, erstand in Görlitz ein jüdisches - Gemeinwesen, das sich in überraschend kurzer Zeit zu einem der bedeutendsten Schlesiens entwickelte. Das zarte Pflänzchen erwuchs unter Moritz Wieruszowski's sorgfältiger, unablässiger Pflege zu einem stattlichen Baume. Eben um dieser seiner kolonisatorischen Tat wegen — denn das war sie in des Wortes wahrer Bedeutung — gebührt dem wackeren, tüchtigen Manne in dieser Kulturskizze ein breiterer Platz. Während die Kempener Kolonie-Gemeinde sichtlich empor kam, ging es mit der alten Stammmutter ebenso merklich abwärts. Sie schrumpfte nicht bloß an Zahl zusammen, auch die innerliche Regsamkeit flaute mehr und mehr ab. Die alten angesehenen und wohlhabenden Familien wanderten nach Breslau, nach Berlin ab, wo sie dann später vielfach zu großem Wohlstand, zu hervorragenden bürgerlichen Stellungen sich emporarbeiteten. In der Muttergemeinde jedoch wurde es still und stiller. Das Gemeindeleben bewegte sich in den alteingefahrenen Geleisen weiter. Es erstarrte mehr und mehr. Die schwüle Lust der fünfziger Jahre, die auf den Gemütern in Preußen lastete, machte sich auch in Kempen bemerkbar. Es bekam ebenfalls seinen Anteil an dem reaktionären RegimentMannteuffel-Raumer-Westphalen zukosten.Und zwar in Gestalt eines ordnungsgemäß geprüften jüdischen Volksschullehrers. Er gehörte einem damals gestifteten und von der Staatsverwaltung sehr begünstigten Verein Königstreugesinnter an, dem berüchtigt gewordenen „Treubunde". Seine Mitglieder bildeten so eine Art 128

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