Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Alt-Kempen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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eines leitenden Sekretärs der Berliner jüdischen Gemeinde berufen worden; er hat dieses bedeutsame Amt mehrere Jahrzehnte Mit großem Erfolge ausgeübt. Toklas und seine Frau erfreuten sich bis in ihr höchstes Patriarchenalter einer seltenen geistigen und körperlichen Frische. Er war sein Leben lang ein erklärter Polenfreund, und kein polnischer Schlachziz kam nach Kempen, ohne bei Panje Toklas vorzusprechen. Zu diesen Beiden gesellte sich als Dritter im Bunde, nur durch Temperament und Charakter von ihnen stark unterschieden, Moritz Wieruszowski, der Sohn des mildgesinnten, allgemein verehrten Gemeindevorstehers David Wieruszowski. Der Sohn hatte vormals zu den Füßen des hochberühmten Posener Rabbi Akiba Eger gesessen, nicht um dereinst einmal selber Rabbiner zu werden, sondern lediglich um eine gründliche talmudische Kenntnis zu erlangen. Das Kempner Reformtriumvirat war somit erstanden, und das Werk konnte ins Leben gerufen werden. Zunächst sollte eine „neue Schul" mit einem zeitgemäß geordneten Gottesdienst erstehen. Toklas richtete zu diesem Zwecke ein leidlich geräumiges Zimmer entsprechend her. Es fanden sich auch wohl einige zwanzig Gemeindemitglieder, die dem Rufe der „Neuerer" folgten. Ein Vorbeter würde bestellt und nach dem Vorbilde der Breslauer „neuen Synagoge" mit einem schwarzen gehäkelten Talar, einem Sammetbarret und einem Gebetmantel in Stolaform versehen. Darin bestand der sichtbare Teil der Neuerung. Im Uebrigen beschränkte man sich auf die Abschaffung des zweiten Jekum purkon und der Wiederholung des Achtzehn-Gebetes. Die ganze übrige Gemeinde sah diesem Treiben mit verächtlicher Gleichgültigkeit zu. Malbim,der allzeit sprungbereite Polemiker, hielt es nicht einmal für der Mühe wert, von der Synagogenkanzel herab der Sache Erwähnung zu tun. Es wird keinen