Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Haym Steinthal
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Köpfe hatten sich entweder — wie der in ethischen und religiösen Fragen innerlich gleichgültige, ja zynische Salomon Maimon, allem religiösen Denken entfremdet, oder sie hatten im wesentlichen nur ein Pietätsverhältnis zum Judentum, wie Marcus Herz und Lazarus Ben David. In der folgenden Generation, also etwa zwischen 1830—1860 stand es schon günstiger. Männer wie Steinheim und Samuel Hirsch erscheinen in dieser Zeit als beachtenswerte Religionsphilosophen, ganz abgesehen davon, daß. damals große Theologen wie Geiger, Philippson, Frankel und Samson Raphael Hirsch, jeder in seiner Weise und von seinem Standpunkte aus, das Judentum mit der modernen Kultur zu verbinden und wissenschaftlich zu begründen suchten. Aber in dieser Zeit lebte doch auch ein Julius Frauenstädt, der schon in jungen Jahren das Judentum verließ und hernach der erfolgreichste Herold und Fortbildner der von ihm gleichsam entdeckten Schopenhauer'schen Philosophie geworden ist, und der sich auch im Kampfe gegen den in den fünfziger und sechziger Jahren herrschenden philosophischen Materialismus eine Stellung und gewisse Verdienste erworben hat. Erst die dritte Generation nach Mendelssohn hat wieder zwei Männer erstehen lassen, die ebenso, wie etwas später Hermann Cohen, von der reinen Philosophie ausgehend, sich aus tiefster Ueberzeugung zum Judentum bekannten und es in der großen Welt des Geistes mit Nachdruck und mit Wärme vertraten: Lazarus und Steinthal Nachdem jetzt das westliche Judentum in seiner ganzen Breite in die moderne Kultur eingetreten war, vermochten gerade Denker, wie die genannten, darzutun, daß das Judentum als religiöse Kulturmacht seine Rolle keineswegs ausgespielt habe, daß das geläuterte, in seiner Reinheit und Hoheit geschichtlich erkannte und philosophisch gewürdigte Judentum jeder besonnenen Kritik des modernen Geistes 69