Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 63

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Haym Steinthal
Date
1923-01-01
Page
Seite 63 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111116-3118051--6481-3118128
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Lippen löste, in seinen. für einen größeren Kreis bestimmten Vorträgen klang es wie eine Erbauung seltenster Art, wie die Geist und Geinüt und Willen zugleich ergreifende Offenbarung eines erhabenen Menschen. Wir wollen versuchen, uns Steinthals Bild Vorzufuhren, und zwar in der Beleuchtung, in der es in uns fortwirkt und uns lieb und wert und teuer geworden ift! Steinthal, ein durchaus stiller Denker und Forscher, ganz und gar nicht auf breite Wirkung angelegt, nimmt gleichwohl eine sehr bemerkenswerte Stellung in der neuesten Geschichte des Judentums ein. Er war kein Philosoph in dem Sinne, daß er — wie etwa Hermann Cohen — ein geschlossenes System von charakteristischer Eigenart aufgestellt hätte. Aber er hat sich im Zusammenhang mit der Sprachphilosophie, seinem eigentlichen Forschungsgebiet, auf dem er bis heute zu den hervorragendsten Vertretern seines Faches zählt, mit der vergleichenden Mythologie und mit der Religionsphilosophie beschäftigt; er hat unsere psychologischen Erkenntnisse wesentlich gefördert und bereichert, zusammen mit seinem Freunde und Schwager Moritz Lazarus die Völkerpsychologie begründet und durch Herbartsche Ideen beeinflußt, aber doch wiederum selbständig ein System der allgemeinen Ethik aufgestellt. Kurz, eine Reihe von philosophischen und mit diesen verwandten Disziplinen ist von ihm mit tiefeindringendem Scharfsinn, mit ausdauernder Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit, mit dem ihm eigenen heiligen Ernst und mit einem von der Wissenschaft allerseits gewürdigten Erfolg bearbeitet worden, sodaß er in seiner Zeit entschieden als einer der bedeutendsten Repräsentanten philosophischen Denkens innerhalb des Judentums bezeichnet werden darf. Was aber für uns ohne Zweifel das Wichtigste ist und ihn seine Stellung in der neuesten Geschichte 63

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.