Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Die Wirtschaftsethik der israelitischen Propheten
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 29)
- Language
- German
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Natürlich hatte der internationale Handelsverkehr seine einschneidenden kultischen Konsequenzen: Synkretismus in weitgehendstem Umfang. - Und wer sich am internationalen Handel beteiligte, wurde in diesen Synkretismus rettungslos hineingezogen. Daher finden wir an einzelnen Stellen diesen Handelsverkehr als Götzendienst bezeichnet und das Verbum gebraucht, daß die eheliche Untreue gegenüber Jahwe, das Unzuchttreiben bezeichnet. Die Handelsstadt Babel heißt eine Hetäre (Nah. 3, 4), ihr und Tyrus' Handelsbetrieb wird unter dieser bildlichen Ausdrucksweise charakterisiert (Ez. 16, 26 bis 28; Jes. 23, 15 bis 18). Das involviert natürlich eine Verwerfung der Beteiligung am internationalen Handel, erteilt von priesterlich-schriftgelehrtem Standpunkt. Interessant wäre es noch endlich zu erfahren, wie die Propheten den Reichtum beurteilt haben. Leider lassen sich unbedingt echte Aussprüche darüber nicht 'anführen. Die beiden Sentenzen im Jeremiasbuche, die darauf Bezug nehmen, können Wohl als im Geiste des Propheten gedacht angesehen werden, aber aus äußeren literar-kritischen Gründen kaum als echt gelten. Es ist 9, 22: „Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke,: noch rühme sich ein Reicher seines Reichtums" und 17, 11: wie ein Rebhuhn (?), das brütet, ohne Eier gelegt zu haben, ist, wer Reichtum erwirbt und nicht auf rechtlichem Weg: in der Hälfte seiner Lebenstage muß er ihn fahren lassen und an seinem Ende steht er als Narr dq." \ Abschließend darf bezüglich unserer Frage nach; der Wirtschaftsethik der israelitischen Propheten gesagt! werden, daß die Ehrlichkeit im Handelsbetriebe der! oberste religiös-sittliche Grundsatz war, und daß dieser Grundsatz weit über die Zeit der Propheten hinweg ' in Geltung geblieben ist. Dabei muß es als ein j besonderes Verdienst der Propheten herrorgehoben