Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Rückblick auf 5682 und 5683
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 8)
- Language
- German
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als bei uns. Diese Trebitsch, Bellachini, Frenzel- Frankel überschreien im Renegaten-Eifer noch die wütendsten Teutomanen oder Raffen-Antisemiten. Dieser Rassen - Antisemitismus schießt übrigens noch immer üppig in die Halme. Was Hilsts, daß die Fachgelehrten, die Naturforscher, die Anthropologen. Historiker, daß die Humboldt, Virchow die Rassen- Schnüffelei für baren Unsinn erklären. Der Stockunwissenden, die ihn lehren, sind eben mehr und einem großen Teil ihrer Hörerschaft geht es ganz wie jenem Dorfrichter, vor dem ein Mann angeklagt und durch zwei Zeugen, die es gesehen hatten, überführt war, eine Gans gestohlen zu haben. Der Angeklagte konnte hundert Zeugen benennen, die es nicht gesehen haben, und also wurde er wegen Mehrheit der Zeugen freigesprochen. Ungerecht und undankbar wäre es aber, hier nicht auch der Vielen, der hervorragenden Persönlichkeiten wie der leitenden Behörden zu gedenken, die sich beherzt der antisemitischen Wühlergarde entgegengestellt und für das verleumdete, begeiferte Judentum, also für Recht' und Wahrheit. Partei ergriffen haben. Zunächst ist da der Erlaß des Preußischen Justiz-. Ministers vom 23. Oktober 1922 zu nennen, der aus die groben Ausschreitungen der Hetzpropaganda hinweist. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung lenkte in einem Erlaß die Aufmersamkeit der Schulvorstände auf die Verwilderung der sittliHen Begriffe in der Heranwachsenden Jugend durch jene Verhetzung, und empfahl dringend, dieser Verwilderung zu steuern. Der konservative Universitätsprofessor Dr. Reinke, Angehöriger der Rechtspartei im früheren preußischen Herrenhaus, wandte sich im „Tag" mit aller Schärfe gegen den Antisemitismus, der „auf dem Wege ist, zum Fluch Deutschlands zu werden."^ Der Herausgeber der „Eisernen Blätter", meint, für die 15