Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Das Ideal der Geschichtsschreibung und Israels Stellung zu ihm
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 1)
- Language
- German
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Das Ädeal der Geschichtsschreibung und Israels Stellung zu ihm. Von Geheimrat Prof. D. Dr. Ed- König-Bonn. Snbem ich der freundlichen Einladung der. Redaktion dieses Jahrbuchs zur Mitarbeit an ihm gern gefolgt bin, um auch auf diesem Wege für die gerechte Würdigung der hebräischen Kulturleistung einzutreten, meine ich, meine Arbeit nicht besser beginnen zu können, als wenn ich zuerst ein Streiflicht aus die Geschichtsschreibung Israels fallen lasse, das geeignet ist, den Nebel zu verscheuchen, der sich jetzt weithin über dieselbe gelagert hat. Dies aber ist das Mindeste, was über die Beurteilung gesagt werden muß, die jetzt der israelitischen Geschichtsschreibung zuteil zu werden pflegt. Eine erste Stimme gegen die Geschichtsbücher Israels hört man ja aus dem auf die niedrigen Volksinstinkte berechneten Schriftchen „Die Bibel in der Westentasche" heraus. Denn da heißt es: „Die Priester haben die Bibel zum größten Teil geschrieben und haben sie dazu benützt, um für sich Vorteil herauszuschlagen, ihre Feinde aber nach Möglichkeit zu verleumden." Indes welche Ungerechtigkeit liegt darin schon deshalb, weil das Einkommen der Priester nach dem hebräischen Schrifttum keineswegs ein. reichliches war, wie man z. B. aus 5. Mos. 18,3 s. ersehen kann. Ferner hat dieses Schrifttum auch, von Feinden der Priester nichts Unwahres gesagt und im Gegenteil auch bei deren Freunden, wie z. B. David und Salomo, keine dunklen Seiten vertuscht, wie man aus 2. Sam. 12, 1. ff. usw. ersieht. Aber sehen wir auch