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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1921-01-01 · 24 (1921-1922) · p. Seite 8

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
24 (1921-1922)
Article
Rückblick auf das Jahr 5680/81
Date
1921-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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lauter Tugendmustern, aus eitel Jdealgestalten bestehen, das hat noch niemand behauptet. Wenn wir unseren Anspruch auf Gleichberechtigung vertreten, so wollen wir damit grundsätzlich das Anrecht auf alles, was allgemein menschlich ist, auch auf das Üble, geltend machen. Nur dagegen setzen wir uns zur Wehr, daß bei den statistischen Rechenkünsten in Bezug aus die Kriminalität der Juden mit doppelter und dreifacher Kreide gerechnet wird. Vorab muß also bei Erörterung der Ostjudenfrage beachtet und berücksichtigt werden: es handelt sich zunächst um vieltausende, die unter der deutschen Verwaltung in Polen zwangsweise, gewaltsam nach Deutschland gebracht wurden, dann aber auch um Flüchtlin ge, um Unglückliche, die, von Mordbanden gehetzt, Hab und Gut im Stich gelassen und in Todesängsten entkräftet, verschmachtet, sich zu uns gerettet haben. Die Gastfreundschaft ist im allgemeinen leider eine außer Gebrauch geratene Tugend seitdem sie, im Zeichen des Verkehrs, von Aktien-Gesellschaften geschäftlich bei guten Dividenden geübt wird, aber das Asylrecht gilt auch heute noch ungemindert bei allen Kulturvölkern. Im Gegensatz zu den Anfeindungen, deren Gegenstand die Ostjuden sind, macht sich eine romantische Entdeckung und Verherrlichung ostjüdischen Wesens geltend, an der man auch nicht immer eine ungemischte Freude haben konnte. Es waren nicht etwa nur nationalistische und zionistische Kreise, die sich die bengalische Beleuchtung des Ostjudentums, die Verherrlichung des Chassidismus und der Mystik in der Gemeinde des Wunderrabbi angelegen sein ließen. Von der deutschen Besatzung Polens irr den Kriegsjahren, in jenen Zeiten, da die Deutschen in Polen erst als Befreier begrüßt und bald genug als Bedrücker gehaßt wurden, haben viele Offiziere und Beamte die auf allen Straßen dem Profit auflauernden Handelsjuden, die aufdringlichen und lästigen, die sich ihnen überall in den Weg stellten, gründlich mißachten gelernt. Viele urdeutsch-gründliche Forschernaturen aber, poetisch gestimmte Gernüter, die auch die Masse der in ihren dumpfen Stuben über ihren Talmud-

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