Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5680/81
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Drückebergern. Nicht immer ist es indes möglich, diesen Wahrheitsfälschern so schnell und so kräftig auf die Finger zu klopfen, wie es in dem einen Falle eines gewissen Dietrich Eckart geschah. Dieser Herr, der eine Wochenschrift „auf gut deutsch" herausgibt, stimmte natürlich ebenfalls tapfer in die Anklage ein, die Juden hätten sich vor dem Frontdienst gedrückt, ein Vorwurf der ja unverfolgbar und so straflos wie sträflich ist. Aber er hatte überdies die Unvorsichtigkeit begangen, einen Preis von 1000 Mark auszusetzen für den Nachweis, daß auch nur e i n e jüdische Familie mehrere Wochen drei Söhne in der Kampffront und im Schützengraben gehabt hätte.. Diesen Nachweis hätte nun eigentlich jeder von uns erbringen können. Rabbiner Dr. Freund in Hannover unternahm ihn. Er übergab jenem Herrn Ekart eine Liste von etwa 20 Familien allein seiner Gemeinde, die alle je drei und mehr Söhne gleichzeitig in der Kampffront und im Schützengraben hatten. Da der Preis- Ausschreiber Ausflüchte machte, klagte Rabbiner vr. Freundauf Grund des § 57 des Bürgerlichen Gesetzbuches über „Auslobung", auf Zahlung der 1000 Mark beim Landgericht I in München. Für die Verhandlung legte vr. Freund eine Liste von 66 weiteren jüdischen Familien vor, deren mehrere sogar 7 und 8 Söhne in der Front hatten und von diesen drei und mehr verloren. Nach lückenloser Durchführung dieses Beweises mußte sich der antisemitische Zeitungsherausgeber auch zur Herausgabe der 1000 Mark bequemen, die nun jüdischen Wohltätigkeits¬ und Abwehrzwecken zugefützrt wurden. Der weiteren Verbreitung ähnlicher Verleumdungen tat diese kleine Episode natürlich keinen Einhalt. Insbesondere in der Studentenschaft hat diese Giftaussaat ihre Wirkung geübt. Die deutsche studierende Jugend, ehedem für die bürgerliche Freiheit begeistert, ehedem mit jugendlichen Idealismus bereit, für Wahrheit und Recht einzutreten und für die Gleichheit alles dessen „was Menschenantlitz trägt", ist jetzt ein Hort nationalistischen Rückschritts und gehässigster Judenbefehdung. Sogar, zu den von Knüppel-Kunze eifrig betriebenen