Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5680/81
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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:n hat: tut mchts, -am schlvnmen Kriegsausgang sind doch die Juden schuld. Und an der Revolution? an den politischen und wirtschaftlichen Folge-Erscheinungen des Krieges wie der Umwälzung? Immer wieder die Juden. \ Das Anschwellen der antisemitischen Hetzpropaganda war eine unausbleibliche Folge des Krieges und des Kriegsausgangs. Sind nicht alle Verbrechen vermehrt, haben nicht insbesondere alle Roheitsvergehen bedenklich zugenommen? Wie sollte einzig der Radau-Antisemitismus eine Ausnahme machen! Keine Verleumdung erschien zu dumm, keine Verhetzungsmethode gu roh. Die giftigsten und rostigsten Waffen aus den alten Arsenalen der Judenfeindschaft wurden hervorgeholt und wieder in Gebrauch genommen. Da wurde allerlei unsagbar albernes Zeug gefabelt von einer Versammlung und von Beschlüssen irgendwelcher jüdischen „Weisen von Zion" und endlich. stellte es sich heraus, daß dieses ganze Märchen einem längst vergessenen Schundroman von Ehren-Goedsche entlehnt ist, dem eigentlichen Vater der Hintertreppen« und Kolportage-Romane, der in seiner, vor über einen: halben Jahrhundert erschienenen Erzählung „Biarritz" die wüste Phantasie einer solchen angeblichen Rabbiner-Versammlung zusammengefabelt hat. Ihre Auferstehung feierte jene wüste Romanphantasterei in einem grob züsammengesudelten Pamphlet, das ein russischer Spion einmal auf-Bestellung geliefert hatte, als es galt, den armen Zaren Nikolaus II., den meistangelogenen Mann in Europa, gegen die Juden einzunehmen. Fleißig, unermüdlich hausierte die antisemitische Werbekolonne insbesondere mit den Fabeln von den jüdischen Kriegsgewinnern und Wucherern. Daß auch Juden unter diesen Schädlingen zu finden waren ist freilich eine beklagenswerte Tatsache. Die krassen Übertreibungen aber, die Entstellungen und Taschenspielerkunststückchen, die den Anteil der Juden am Kriegsgewinne, am Kriegswucher und an den Vergehen gegen Lebensmittelverordnungen oder Steuergesetze möglichst groß erscheinen lassen sollen, > ' sind oft beleuchtet worden. Eifriger noch wirbt der Antisemitismus mit dem Märchen von den jüdischen