Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Das Haus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Haus. Aus den Aufzeichnungen des Kreisphysikus vr. E. von Ulla Wolff-Frank. Mls ich den Rabbiner kennen lernte, offenbarte sich mir auf den ersten Blick eine Persönlichkeit. Mittelgrotz und kräftig zur Behäbigkeit neigend, mit einem frischen, glatten Antlitz, in dem leichter bläulicher Schimmer die Behandlung des Bartwuchses mit Aurum verriet, jener Masse, die bei den orthodoxen Juden, das Rasiermesser ersetzt, das Gesicht aber, wie rasiert erscheinen ließ. Ein kurzer, schmaler Backenbartstreifen begrenzte es. Und der Rabbiner war wirklich noch streng orthodox, trotzdem er neben der rabbinischen Autorisation die akademischen Weihen erworben, als einer der ersten Rabbiner, der eine regelmäßige Universitätsbildung genossen hatte. Natürlichwar er ein Hegelianer, wie die gesamte philosophische Jugend jener Zeit. Das gab er mir schon in unserer ersten Unterredung zu erkennen, nicht ganz absichtslos. Der Mediziner, also der Naturwissenschaftler, sollte wissen, daß er es mit einem Manne zu tun hatte, der in den Geist der Weltweisheit eingedrungen war. Als wir später gute Freunde und ich der Hausarzt der Familie geworden war, gestand er mir das lachend zu. „Der Talmud und die Philosophie sind Denkverwandte, beide grüblerisch und am letzten Ende angelangt, immer vor dem Anfang stehend. Ich wollte mich Ihnen zu erkennen geben, Herr Dr., damit sie nicht auf falsche Fährte geraten, ich der Rabbiner von Bacharach" .... er lachte mit einem prächtigen Lachen, dabei ein begeisterter Anhänger von Hegels Lehre; von der Logik und ihrer sittlichen und absoluten Begriffe. *2!aässss£sasaS2SSasSamBSSm