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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 59

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Seelsorge
Date
1919-01-01
Page
Seite 59 (sequence 7)
Language
German
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äußert sich über die Gespräche in den Lazaretten: „Beü aller Vorsicht und Zurückhaltung wollen wir unter keinen Umständen das eigentliche Ziel aus dem Auge lassen: „Wir sind nicht gesandt, zum Plaudern, zur Unterhaltung,, und Belehrung, sondern um Menschen für ihren himmlischen Vater zu gewinnen."*) Demgegenüber schreibt Rabbiner Br. Baeck inseinem 10. Bericht an den Berliner Gemeindevorstand: „Nirgends wendet sich die Unterhaltung, so gern wie im Lazarett dem Heitersten zu, nirgends soviel allen den Fragen von Leben und Zukunft." „Auch der Stillere redet dann mit und der Beredtere hört zup man will miteinander sprechen. Dieses Gespräch zu gewähren und anzuregen ist dem Feldgeistlichen auch als Aufgabe gestellt. Wenn er hierher kommt, so soll er als denkender Mensch zum Menschen, der denken will, sprechen. Er soll nicht mehr tun, nicht predigen wollen, aber auch nicht weniger tun, nicht den, der ihm gegenüber ist, unterschätzen."^) In einem stimmen übrigens auch die Feldprediger beider Religionen überein: sie kümmern sich auch um die Andersgläubigen. Daß sie sich gegenseitig, bei Beerdigungen, ja auch bei Feldgottesdiensten aushelfen, ist manchmal berichtet worden. Daß sie aber ihre Sorge in den Lazaretten aus Verwundete und Kranke anderen Glaubens ausdehnen, ist für alle ständige, gern gesehene und gern empfangene Uebung. Wer da konfessionelle „Sonderpolitik versuchen wollte, würde ebensowenig auseichten wie ein engherziger Pietist mit seiner Bekehrungsmethode", schreibt von der Goltz ^) und führ! dann aus: „Mit den jüdischen Mitbürgern .... liegen besondere Schwierigkeiten gar nicht vor. Man braucht auch keine besondere Rücksicht walten zu .lassen. . Sie lesen auch gern unsere christlichen Schriften und wohnen mit Interesse unserer Andacht bei. Daß sich dadurch etwas Wesentliches bei ihnen ändert, habe ich freilich nicht gemerkt," *) v. d. Goltz pg. 16. Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde zu Berlin, 7. Jahrg. 1917*

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