Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Der Ölberg im jüdischen Ritus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Ölberg im jüdischen Ritus. Von Samuel Krauß-Wien. ter Olberg, nordöstlich in der nächsten Nähe von Jerusalem gelegen, und von der Stadt nur durch das Kidrontal getrennt, mußte schon infolge dieser Lage oft in den Kreis der Vorkommnisse einbezogen worden sein, deren Schauplatz die Stadt selbst war. Dazu kommt noch, daß der Olberg, der höher ist als alle benachbarten Berge in und um Jerusalem, einen vortrefflichen Blick auf die Stadt gewährt, und namentlich müssen sich die auf dem Tempelberge gelegenen Bauten des Heiligtums prächtig von ihm ausgenommen haben, wie es noch heutzutage mit der auf demselben Platze erbauten Omarmoschee der Fall ist. Die ganze östliche Seite des Heiligtums, mit dem Osttore desselben, das für das heiligste galt, mußte den Blicken desjenigen, der, auf dem höheren Olberge stehend, nach Westen schaute, ftei und offen dagelegen haben. Gleichwohl tritt der Olberg in der biblischen Geschichte nirgends in bedeutsamer Weise hervor. Bei „biblischer Geschichte" sehen wir von den Ereignissen im Leben Jesu ab, der allerdings oft und mit Vorliebe den Olberg zu seinem Aufenthalte gewählt hatte, so besonders den am westlichen Fuße desselben gelegenen Garten Gethsemane, der seitdem berühmt geworden ist. Nur in einer die Endzeit betreffenden Vision, die in dem prophetischen Buche Secharja (14,4) einen Platz gefunden, spielt der Olberg eine gewisse Rolle; es wurden also jedenfalls messianische Betrachtungen an ihn geknüpft. Dies mag schon das Verhalten Jesu beeinflußt haben, noch mehr aber muß das auf manche der liturgischen