Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literarische Zahresrevue. Von Simon Bernfeld. »n den Briefen Samuel David Luzzattos, die gesammelt vorliegen, begegnet man häufig der berechtigten Klage über die abnehmende Kenntnis des Judentums unter den Juden selbst. Es ist dies eine eigenartige, zweifellos sehr betrübende Erscheinung, daß während die wissenschaftliche Erforschung des Judentums seit dem Anfang des vorigen Jahrhunderts an Umfang und Tiefe in ungeahnter Weise zugenommen hat, die Zahl der Juden, die sich für diese Probleme interessieren, sich stark verminderte und sich fortwährend noch weiter vermindert. Mit andern Worten: wir haben Bücher, mitunter sogar sehr gute Bücher, aber keine Leser. Unsere wissenschaftliche Literatur, was man heutzutage als Wissenschaft des Judentums bezeichnet, ist eine Fachliteratur — d. h. sie bleibt auf den engen Kreis derer beschränkt, die sich mit ihr berufsmäßig befassen. Der Forscher ist zugleich auch der Leser. Und da man sich jetzt bei dem angehäusten Material immer mehr spezialisieren muß, so wird es wohl bald dahin kommen, daß nur sehr wenige das Judentum in seiner ganzen Fülle von Wissen und Gedanken übersehen werden. Bei dem ganzen Reichtum, den die Wissenschaft des Judentums geschaffen hat, gehen wir einer geistigen Verarmung entgegen. Man wird sagen, daß es uns an guten gemeinverständlich geschriebenen Schriften über verschiedene Einzelfragen des Judentums fehle, die gediegenen wissenschaftlichen Werke, so inhaltsreich sie auch sein mögen, seien nicht für die Laienwelt bestimmt und für sie auch nicht verständlich, da sie bei ihren Lesern gründliche wissenschaftliche Vor-