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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 15

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Rückblick auf das Jahr 5678
Date
1919-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 Zu erhöhter Wachsamkeit sind wir schon deshalb aufgerufen, weil wir im abgelaufenen Jahre so viel hervorragende Führer im Kampfe gegen antisemitische Feindseligkeiten verloren haben. Da ist an erster Stelle des Professor Hänel in Kiel zu gedenken, der im Jahre 1880, im ersten parlamentarischen Kamps gegen den damals jungen, modernen Antisemitismus, bei der großen Interpellation im preußischen Abgeordnetenhause, der siegreiche Anführer war. In JustizratDr. Maximilian Horwitz, dem langjährigen Vorsitzenden des „Central- ' Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", verloren wir einen Kämpfer, der mit dem Feuer heiliger Überzeugung, dabei ebenso klug wie temperamentvoll, alle seine reichen Gaben und Kräfte opferfreudig in den Dienst unserer Sache stellte. Geheimrat Praf. Hermann Cohen, der vielgefeierte, große Gelehrte, gleich hoch entflammt für sein glühend geliebtes Deutschtum wie für sein Judentum, an dem er in innigster Treue hing, Cohen, der mit feuriger Propheten-Beredsamkeit zu überzeugen, Hinzureißen, zu begeistern verstand, ist uns entrissen. Rabbiner Professor Coßmann Werner in München, der mit dem Einsatz seiner persönlichen Bedeutung, seines Einflusses, mit dem Aufgebot seiner ganzen geistigen Kraft für die Rechte und die Geltung des Judentums in Bayern nicht nur, nein überall, erfolgreich wirkte, ist früh geschieden. Aber auch noch andere Verteidiger unseres guten Rechts, Kampfgenossen in der Abwehr antisemitischer Anfeindungen, außerhalb des Judentums, sind uns entrissen worden. Einer, den die Antisemiten gern an sich ziehen wollten, den sie mit ebensoviel Vorliebe wie wenig Recht zu den ihren zählten, war der treffliche P. K. Rosegger. Er hat freilich einmal ein unfreundliches Wort über Heine niedergeschrieben — eine literarische Meinung, die nichts mit' der Stellung zum Judentum zu tun hat. Oder war Otto Ludwig ein Feind der Deutschen, weil er kein Verehrer von Schiller war? Gegen die Antisemiten und ihre Methoden, hat Rosegger sich oft und bitter ausgesprochen. Rechneten doch die Judenfeinde auch Nietzsche zu den Ihrigen, weil

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