Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1919-01-01 · 22 (1919) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
22 (1919)
Article
Rückblick auf das Jahr 5678
Date
1919-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111110-3117658--5915-3117704
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

u- — Leitungsgewaltige und Propaganda - Chef, von einer jüdischen Familie Stern abstammt, wird immer wieder ins Feld geführt, trotzdem längst festgestellt ist, daß er einer altenglischen Familie Harmsworth angehört. Nichts ist selbstverständlicher, als daß aus französischer Seite Katholiken, auf englischer Protestanten gegen uns kämpften, aber immer wieder will man es den deutschen Juden auf ihr Schuldkonto setzen, wenn englische Bürger jüdischen Glaubens auch gute Engländer sind, wie sich deutsche Bürger jüdischen Glaubens mit Gut und Blut, mit Leib und Leben, daheim und in den Schützengräben als gute Deutsche erwiesen haben. Eine Genugtuung, wenn auch eine späte, bleibt es, daß die judenfeindlichen Machenschaften immer ans Tageslicht kommen und daß die Welt es endlich doch erfährt, wie verbrecherischer Mittel man sich bedient, uni den Juden ein Verbrechen anzudichten. Aus den -geöffneten russischen Staatsarchiven flatterten auch die Akten heraus, die erwiesen, mit welchen Gewaltmitteln, mit wieviel amtlichen Bestechungen, Bedrohungen, Postmißbräuchen der Prozeß Beilis in Rußland geführt wurde. Ebenso kam es in Österreich bei der im abgelaufenen Jahre endlich erfolgten Begnadigung des wegen „Ritualmordes" unschuldig verurteilten Hilsner zutage, durch welche Mittel die Erhebung der Anklage seinerzeit förmlich erschlichen und erpreßt wurde. Angesichts des ' großen Aufräumens in unserer Reichsregierung, angesichts der gründlichen Abrechnung mit den langgeduldeten Vorrechten? Vorurteilen und ererbten Ungerechtigkeiten, mag es nur lächerlich erscheinen, wenn Leute vom Schlage eines Professor Adolf Bartels jetzt die Forderung erheben, es sollten Juden weder Professoren, noch Bühnenleiter (!) noch endlich „Hauptschriftleiter" werden dürfen. Immerhin sind wir, durch trübe Erfahrungen gewarnt, gewitzt genug, um darüber zu wachen, daß nicht irgendwie auf Verwaltungs-Schleichwegen herbeigeführt wird, was gesetzlich nicht bewirkt werden kann.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.