Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5678
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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s In Rumänien sollte endlich den Juden die Gleichberechtigung gewährt werden, die ihnen bereits nach den Kongreßbeschlüssen von 1878 zustand, das Bürgerrecht, um das sie die früheren rumänischen Gewalthaber durch einen heimtückischen Kniff geprellt hatten. Der Friedens-Vertrag von Bukarest sicherte den Juden Rumäniens die Gleichberechtigung zu und beugte den'Ausflüchten vor, durch die man vordem einer Erfüllung dieser Vertragspflicht entwischte. Wenigstens wollte man ihnen Vorbeugen, und glaubte es erreicht zu haben. In der Tat ging die Regierung Marghilomans rasch genug daran, das gegebene Versprechen einzulösen. Die Begründung des Gesetzentwurfs über die Gleichstellung der Juden besagte u. A. sehr schön: „Die Ungleichheit von Menschen, die in.demselben Lande geboren und erzogen sind, stellt einen Anachronismus dar, der aus der rumänischen Gesetzgebung verschwinden muß. Zunächst wird mit den im Friedensvertrag vorgesehenen Kategorien begonnen, „welche die große Mehrheit der eingeboreren jüdischen Bevölkerung umfassen". Danach sollten — mit Frauen und Kindern, — eingebürgert werden: alle die von in Rumänien geborenen Eltern abstammen, alle die im Kriege unter den Fahnen, die im Hilfsdienst oder als „jugendliche Pfadfinder" Verwendung fanden, endlich auch solche, die sich zum Dienst gemeldet hatten ohne noch Verwendung gefunden zu haben. Mit erdrückender Mehrheit — im Abgeordnetenhause mit 86 gegen 13 Stimmen — ist der Gesetzentwurf von den gesetzgebenden Köperschaften angenommen worden und in den Debatten wirbelte es von menschenfreundlichen, judensreundlichen Phrasen. Alle Verpflichtungen aus dem Artikel VII. des Friedens-Vertrages erfüllt dieses Gesetz noch keineswegs, da es z. B. die „Staatenlosen" vergißt. Wie viel Hintertürchen zu bequemem Entschlüpfen aber schon diese Vorlage offen ließ, das konnte keinem entgehen, der rumänische Ehrlichkeit und Treue kennt. Nun aber hat die Wandlung der Kriegsgeschicke den Vertrag von Bukarest zerrissen und das Kabinet Marghiloman beseitigt. Die neue Regierung hat sich beeilt, ihn von sich abzuschütteln.