Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 22 (1919)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5678
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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«hne sonderliche Anstrengung, ein Geschenk auS Himmels- Höhen! In gleicher Weise soll, allem Anschein und allen feierlichen Versprechungen nach, das Königreich Juda nach bald zweitausendjähriger Grabesruhe glorreich wieder -auferstehen. Was wir in so vielen Jahrhunderten oft bitter harten Exils uns gewünscht, erträumt haben, es soll, so verheißt man uns, — Palästina bleibt eben ewig das Land der Verheißung — es soll glorreiche Wirklichkeit werden. Was unsere Dichter alle, von Salomo ben Jehuda Gabirol und Jehuda Halevi bis zu einem Ludwig August Frankl, und was soviel neuere Lyriker in heißbeseelten Liedern brünstig ersehnt, heranbeschworen hatten, was wir in unseren höchsten Weihestunden im Gebet vom Himmel uns erbaten, erflehten, ohne doch auf Gewährung zu hoffen, es soll zur Wahrheit werden! Soll es, wird es aber wirklich? Wenn unser Herz darob aufjubeln will, wenn unsere Seele hoch aufwallen möchte in überschäumendem Dankgefühl, dann heißt uns der kühl abwägende, durch Ersahrung zu einem gewissen Mißtrauen erzogene Verstand, gelassen, ohne jeden Überschwang, die Entwicklung der Dinge abwarten. Wenigstens schien z u n ä ch st für -allerlei Skrupel und Zweifel Grund gegeben zu sein. Eine Heimat für die gesamte Welt-Judenheit, oder auch nur für einen besonders erheblichen Teil kann das Heutige Palästina kaum werden. Nicht ganz den zwanzigsten Teil des heutigen Deutschen Reiches umfassend, kann es wohl eine gewisse, auch eine sehr stattliche Einwanderung als Zuwachs zur jetzigen Bevölkerung aufnehmen, nicht aber gleich Millionen! Für die ist da weder Raum noch Brot, noch -Erwerb zu schaffen. Überdies sind die Juden aller zivilisierten Länder der Erde festgewurzelt im Boden, der sie seit Jahrhunderten trägt und nährt, sie sind untrennbar -eins geworden mit den Völkern, deren Kultur und Sprache, deren Leben und Geschicke sie teilen. Glück und Erfolg genug, wenn Palästina, zu einem neuen Judenstaat ausgestaltet, alle die aufnehmen kann, denen die jetzige Heimat