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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 169

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Dichterruhm
Date
1918-01-01
Page
Seite 169 (sequence 45)
Language
German
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169 sie merkte es Wohl — schwer darunter litt. Er umschlich förmlich in angstvoller Scheu um den Kranken das Zimmer, und war seine Frau mal einen Augenblick draußen, so sah er sie an wie etwas, das ihm kaum noch gehörte, in vertrotzter Sehnsucht, und einem Begehren, das sich in Unwillen äußerte, weil es keinen gefälligeren Ausdruck fand. Friede! verstand ja seine Art, so fremd sie ihrer eigenen war, aber ein ganz klein wenig weidete sie sich an seiner Qual. Er hatte ihr mit die wenigen Feststunden, *die sie ihrem Pflichtenlebcn hatte abringen wollen, mißgönnt und vergällt. Nun hatte er gar nichts von ihr und mußte auch zufrieden sein. Minnie Hermann hatte oftmals vergeblich nach ihr gefragt, aber eines Tages wurde sie nicht von Mutter Böhm abgewiesen. „Noch Verschiedenes mit Frau Friede! überlegen. Sie seien so ratlos, es sei so überraschend» gekommen. Uebermorgen rücke ihr Mann aus". Minnie war so außer sich, daß ihr Friede! vieles in Gedanken abbat. So hatte sie also doch ihren Mann lieb? Friede! staunte. Sie war überhaupt groß im Staunen, und das war es Wohl, was sie immer so zum Schreiben, trieb. Diesmal galt ihr Verwundern außer Minnie ihren Allernächsten. Immer hatte es ihr so Weh getan, wie keiner von ihnen je etwas anderes für die Hermanns übrig gehabt hatte als kleine mißwollende Ausfälle. Nie hatte sie, wenn sie von dort gekommen war, die Schwiegermutter etwas anderes gefragt als: „War bei Hermanns zu tun?" und immer hatte sie die wohlhabenderen Konkurrenten instinktiv zu schützen gesucht durch die Antwort: „Nein. Es war ganz leer im Geschäft". Meistens hatte sie gär nicht hingesehen. War es die eben überstandene Angst um ein teures Haupt im eigenen Hause, die sie so weich machte, schlummerten unter den kleinen Alltagsseindseligkeiten doch noch wärmere Dauergefühle für die - langjährigen Bekannten, genug, man nahm Salo Hermanns plötzliche Einberufung wie etwas Persönliches und konnte sich nicht genug tun an Anteilnahme und Dienstbeflissenheit. „Friedchen, wenn De Zeit hältst, die neumodische Rezepte kann ich nich. Was zu meine gehert.

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