Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Gast nicht grüßte, sondern ohne ein Wort zu sagen, nach dem Fenster ging, so daß er dem Zimmer den Rücken zudrehte. Beide Frauen sahen in besorgter Frage zu ihm hin. Endlich brach die- Mutter das traurige Schweigen. „Frau Böhm meint auch, daß Minnie nicht lange bleiben wird. Sie hat einmal ein bißchen Sehnsucht nach Hause und nach der großen Stadt gehabt — du lieber Gott, man handelt auch mal unüberlegt in sojungen Jahren". Friede! sah, wie er ungeduldig die Achseln hin und herwarf. Die ungewollten Trostgründe der Mutter schienen ihm sehr lästig zu sein. „Und nun warst Du nicht da", fuhr sie unbeirrt fort, „und das kleine, gute Frauchen hier kann auch nicht immer so ab — und — und heute würde sie es nicht machen, wo Du im Orte bist und sie Gesellschaft hätte. Herr Lesfer ist doch auch hier. Frau Böhm ist ihm begegnet". Wie elektrisiert fuhr der junge Ehemann herum. In sein bleiches Gesicht, in die starre Gestalt war wieder Leben gekommen. Alle drei im Zimmer atmeten schwer auf, alle drei fühlten, von welchem Verdacht da einer plötzlich frei geworden war. „Man muß doch auch nicht aus ner Kleinigkeit, Gott behüte, ein großes Unglück machen". „Ach, Mutter, was soll denn das alles?!" sagte er gepeinigt. Er schien zu tief getroffen zu sein, um sich vor dem fremden Gast viel Zwäng auserlegen zu können. Friede! war entsetzt, wie scharf seine Züge in den wenigen Tagen, da sie ihn nicht gesehen, geworden waren. „Du weißt ja, was sie geschrieben hat. Meine Eltern gefallen, ihr nicht". Alle Kränkung) alle Bitterkeit lag auf dem laut und höhnisch angeführten Satz. „Ich kann Euch nicht anders machen", brauste er auf. „Gott sei Dank nicht! Es wäre schade. Wie es ist, ist es nun". „Mein Sohn, wenn Du so im Felde gedacht hattest, brauchte ich mir jetzt keine Sorge um Deine Herzklappe zu machen, uttjb mir wäre doch nicht Wühler. Ein schlechter Soldar, der seine eigene Fahne aufgibt. Man kämpft doch um was. So glatt gehts nicht im Leben,, wie man sich das in der Jugend vorstellt. Du bist der Herr, Du hast die Richtung zu geben, Du bist der Mann im Haus".