Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Dichterruhm
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 11)
- Language
- German
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— 135 — ' Das wußte ja bis heute noch nicht einmal Max, so oft die Schwestern sie auch gedrängt hatten, es ihm zu verraten. Sie hatte eine heilige Scheu davor. Frieds! bekam heftiges Herzklopfen. Ob es ihm Wohl gefallen würde, ihr „werdendes Glück"? Sie bebte bis ins innerste Herz vor glückseliger Auftegung. „Sie kocht", schrie Eva und wies mit dem großen Holzlöffel auf die Wäsche im Kessel. „Da trink mer Kaffee", sagte die Mutter. Es war das erste Wort, das sie während der stundenlangen Arbeit gesprochen hatte. Sie gingen in die Wohnstube. Max sah Friedels, wie er glaubte von der ungewohnten Anstrengung, fieberheißes Gesicht und sagte: „Mutter, macht fix mit Eurer Wäsche. Friede! geht nachher mal zur Hermann. Die hat schon ein paarmal nach ihr geschickt. Ich will's haben". s Friede! sah, beinahe zaghaft, hoch. Der Blick, mit dem ihre Schwägerin aufblickte und sich dann mit leisem , . Kichern über ihre Tasse beugte, sagte beleidigend deutlich: | „Brüderlein, du stehst unterm Pantoffel". Da war ihrschon | Mutters verdrießliches „For meinswegen, bin ich solange | alleine fertig geworden, wer ich's heute mit Gottes Hilfe auch werden", lieber. „Nein, nein, nein, ich gehe ja nicht", i begütigte sie. „Wenn ich sage, Du gehst, dann gehst Du," herrschte Max., Der Vater war noch nicht erschienen. Sollte er da nicht die Konjunktur ausnutzen und auch } einmal seinen Manneswillen zeigen? Friede! nahm den wohlgemeinten Anschnauzer gar nicht übel. Sie fühlte, ,! er galt mehr dem schadenfrohen Spottblick von Eva, die jetzt auch ganz ernst niederschaute. Nur die Röte auf j ihrem hageren Gesicht und das belustigte Funkeln in! ihren Augen verrieten das brennende Interesse, das sie! an diesem kleinen, ehelichen Streit nahm. Friede! duckte j sich drollig furchtsam hinter ihre Tasse. Da lachte er und sagte gutmütig: „Na ja, Du brauchst einem doch auch nicht ewig zu widersprechen". „Ich gehe ja, Schatz", sagte sie herzlich, „ich gehe ja sogar sehr gern". "