Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Ein klerikaler Laienhebraist und Judengegner vor 1870
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 8)
- Language
- German
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— 123 — stützung. Als Kelheimer Abgeordneter zum Deutschen: Zollparlament in Berlin 1867 hielt Sepp in der dortigen Kasinogesellschaft aus Aufforderung einen Damenvortrag über die Würde und Stellung der Frauen. Darin sagte er unter anderm (S. 147): „Der Hebräer betet noch heute: ,Herr, ich danke Dir, daß Du mich zu keinem Weibe geschaffen hast'. Er durfte seine Gattin verstoßen, wenn sie ihm nur die Speise versalzenchatte". Am Ende einer größeren Rundfahrt Lurch Ostdeutschland vor der Heimkehr besuchte Sepp im Geburtsort Bad Tölz seinen steinalten Vater im Mai 1870, wobei er dem Greis Jugenderinnerungen ausfrischte (S. 162): „unter anderm erzählt er chm, er habe im Dome von Posen alte Polen, wie Juden an der Klagemauer zu Jerusalem, über den Untergang ihres Volkstums jammern hören und die Hände ringen sehen". Aus alledem ergibt sich, daß Sepp während seiner ganzen langen politisch-klerikalen Wirksamkeit ein überzeugter, wenn auch nicht parteimäßiger Antisemit gewesen ist, obwohl er gar wohl beträchtliche Unterlagen zu richtiger und gerechter Beurteilnng in seinem reichen Wissensschatze besaß. Seit seinem Rücktritt aus dem aktiven politischen Leben, 1875, ja eigentlich schon seit 1867 ist aber keine irgendwie anzügliche Auslassung der Art von ihm bekannt. Schwenkte er doch mit 1871 vom politischen Katholizismusöffentlich grundsätzlich völlig ab und war später sogar einmal liberaler Wahlmann in München. Wie wenig sich übrigens der gewissenhafte Forscher in Sepp durch wandelfähige sozial- oder kulturpolitische Ueberzeugungen oder etwaige Augenblicksstimmungen in ein tendenziöses Fahrwasser hintreiben ließ, beweist jedem historischen Fachmann sein keineswegs antisemitisch gefärbter Standpunkt zu der Auffassung mittelalterlicher Berichte wie etwa über den Judenmord von Deggendorf. Seine stark sanginische Natur und die allgemeine Richtung des Zeitgeistes, unter dem dieser leidenschaftliche Freund des Wortes und der "Feder ausgewachsen und gereift war, muß man bei so vielen Auslassungen nach Gebühr veranschlagen. Wie sich dieser fanatische partikularistische Großdeutsche-